22.08.2007 - 11:38 Uhr

Afghanistan: Entschlossener denn je

Mainz (ots) - Mit der Befreiung der deutschen Geisel durch afghanische Polizei erscheint der Tod der drei deutschen Polizeibeamten dort posthum in einem anderen Licht: Ohne systematisches Training durch internationale Ausbilder wäre die einheimische Polizei nie auf einen Leistungsstand gelangt, der eine Befreiungsaktion wie diese ermöglicht hätte.

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die afghanischen Sicherheitskräfte offenbar auf Unterstützung norwegischer Spezialisten zurückgreifen konnten. Die aktuellen Ereignisse sind aber auch ein Fingerzeig in Richtung künftiger Hilfen für das Land: Stabilisierung eigener Kräfte von Polizei und Militär durch externe Fachleute sowie Sicherung dieses Prozesses durch mindestens gleichbleibende, jedenfalls aber fortdauernde Militärpräsenz. Dabei macht jedoch der SPD-Vorschlag keinen Sinn, die defensiv angelegte deutsche Isaf-Mission zum Wiederaufbau der Infrastruktur und den "Tornado"-Einsatz in ein Mandat zu bündeln. Das hülfe der SPD-Spitze zwar leichter über ihren Bundesparteitag hinweg, koppelte aber eine klare Friedensmission mit einem Aufklärungsauftrag, der in ebenso klarem Zusammenhang mit der US-geführten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" im Süden des Landes steht. Auch gibt es zur Zeit definitiv keinen Ansatz mehr für die Idee des SPD-Vorsitzenden Beck zu Gesprächen mit mutmaßlich gemäßigten Taliban. Wer deutsche Polizisten ermordet, kann niemals Verhandlungspartner sein, auch nicht im Rahmen inoffizieller Kontakte, wie sie jetzt "Der Spiegel" aus dem Jahr 2005 schildert, als der deutsche Geheimdienst eine Gesprächsrunde in der Schweiz organisiert hatte, wie sie der SPD-Chef kürzlich nach seinem Besuch in Afghanistan vorschlug. Dieser Zug, der dem internationalen Arrangement mit der ursprünglich terroristischen Fatah in Nahost durchaus hätte ähneln können, ist abgefahren. Denn hinter allem steht unerbittlich Al Kaida, und zwar heute entschlossener als je zuvor.

Originaltext:Allgemeine Zeitung Mainz

Pressekontakt: crossmedia@vrm.de

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden