13.01.2007 - 11:58 Uhr

Streit um Ehrenbürger Biermann: Die verkniffene Linke

Essen (ots) - Die taktischen und ideologischen Scharmützel rund um eine mögliche Berliner Ehrenbürgerwürde für Wolf Biermann sind an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Allerdings liefern sie auch einen unverstellten Blick auf die Bundeshauptstadt. Das dort handelnde und regierende Personal ist seit langem eben nur noch zweitklassig.

Politiker, die es sich zu Zeiten der deutschen Teilung sowohl im Westen wie im Osten bequem gemacht haben und dabei so manchen Kotau eingegangen sind, urteilen über einen für alle Seiten unbequemen deutschen Dichter. Es ist keine Überraschung, dass die SED-Nachfolger an Biermanns Ausbürgerung nicht erinnert werden wollen, dass es immer noch welche bei ihnen gibt, die die Diktatur verklären. Überraschend ist es jedoch, wie sich die SPD aus vermeintlich koalitionsinternem Interesse zum Komparsen einer Provinzposse macht. Jede Stadt in Deutschland wäre stolz auf einen Ehrenbürger Biermann, dessen Werk und dessen Lebensweg seinesgleichen sucht. Die Hauptstadt verspielt ihr wichtigstes Kapital, das der kulturellen Führung.

Originaltext:Westdeutsche Allgemeine Zeitung/Kommentar von Hendrik Groth

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