21.11.2006 - 20:31 Uhr
Schule setzt zu sehr auf Wissensvermittlung und zu wenig auf soziales Lernen
Berlin (ots) - Berlin - Angesichts des Amoklaufes eines 18-Jährigen in einer Emsdettener Schule hat der Kriminologe Christian Pfeiffer aus Hannover Defizite in drei Bereichen beklagt. Die Familien kümmerten sich zu wenig darum, "was ihre Kinder in Kinderzimmern treiben". In den Schulen würden zu viele Verlierer erzeugt.
Und der Jugendmedienschutz sei in Deutschland ineffektiv, sagte Pfeiffer dem Berliner "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe) in einem Interview. Pfeiffer kritisierte vor allem das Schulsystem. "Unser Problem ist, dass unsere Schule zu sehr auf Wissensvermittlung setzt und zu wenig auf soziales Lernen", sagte er. Die Nachmittagsgestaltung der Schulen müsse unter der Überschrift "Lust auf Leben wecken" stehen. "Wir vermitteln den Kindern zu wenig Möglichkeiten zum Austoben und bieten ihnen damit zu wenig Anerkennungschancen." Schon bei der frühen Aufteilung der Kinder auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium sei man in vielen deutschen Bundesländern auf einem falschen Kurs, "weil die Hauptschüler zu diesem Zeitpunkt schon mitgeteilt bekommen, dass sie Verlierer sein werden", sagte Pfeiffer.
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