16.11.2006 - 19:22 Uhr

Debatte um Embryonenforschung: Ein Kompromiss

Essen (ots) - Vom ethischen Standpunkt aus besehen ist jeder Kompromiss ein fauler. Seit Jahren fordert die Wissenschaft freiere Forschungsbedingungen, wie sie auch im Ausland gelten. Auch wenn man die ewigen Zweifler und Moralisten nicht mehr hören mag, auch wenn man sich nach Fortschritt und Heilung sehnt - immer wieder bietet die Wissenschaft den Mahnern Futter.

Der südkoreanische Klonbetrüger Hwang Woo Suk machte die Stammzellforschung dubios, erklärte geklonte Embryonen zum Forschungs- und Wirtschaftsgut. Und das Vorhaben britischer Forscher, das Erbmaterial von Kuh und Mensch zu verschmelzen, zeigt, wohin losgelassene Forschung führt. Ohne Unterlass bohrt die Forschung Löcher in die letzten ethischen Tabus. Merkels Vorschlag ist nicht die große Befreiung von allen gesetzlichen Fesseln. Er ist aus ethischer Sicht auch nicht konsequent. Ein gangbarer Weg ist er dennoch. Die Forscher erhielten ein Stück Freiheit, die Kritiker würden geschont. Doch muss sich die Politik in Zukunft grundsätzlich davor hüten, ihre Regelungen nachlaufend den Wünschen der Wissenschaft anzupassen.

Originaltext:Westdeutsche Allgemeine Zeitung/Kommentar: Christopher Onkelbach

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