23.10.2006 - 15:33 Uhr

Neues Deutschland: Demonstrationen gegen Armut

Berlin (ots) - 200.000 gingen in fünf deutschen Städten auf die Straße. Mit gerechter Wut im Bauch, Wut gegen die Art und Weise, wie sich die Regierungskoalition mit der Wirtschaft gegen das Volk verbündet, immer neue Sklavengesetze schafft und dann Lob erwartet, wenn sie die Arbeitslosenzahl per Definition und Ausgrenzung drückt und nicht von »Unterschichten« reden mag.

Der DGB hatte zu den Protesten aufgerufen, die Spitzenfunktionäre legten mal wieder die Krawatten ab und hielten Reden. Samstagsreden. Ob sie gemerkt haben, dass man in den Demo-Zügen Lieder von den »Toten Hosen« nicht ohne Hintersinn spielte?! Schließlich klingen die Reden der Chef-Kollegen wochentags, wenn sie mit Bossen und Genossen am Tische sitzen, merklich leiser.  Laut tönte gestern auch Oskar Lafontaine. Protestaufmärsche wie die vom Samstag reichten nicht, sagte er und rief - denkend an Widerstand im Nachbarland - dazu auf, »Französisch« zu lernen. So sehr das vonnöten ist, so sehr sollte man sich hüten, Erich Mühsams »Lampenputzer« nachzuahmen, der sich die Revoluzzermütze aufs linke Ohr schob, dabei »höchst gefährlich« vorkam und die Welt nicht mehr verstand. Bevor man französisch sprechen kann mit den Regierenden, muss man zunächst untereinander Klartext reden und mit Kollegen ins Gespräch kommen. Wer weiß, vielleicht reift die neue Linkspartei eines Tages doch noch zu einer Art Sprachlehrer.

Originaltext:Neues Deutschland

Rückfragen bitte an: Neues Deutschland Redaktion SVD Telefon: 030/29781722

Kommentare

Keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden