04.06.2004 - 18:43 Uhr
Mehr Schutz für Kaltwasserkorallen-Riffe
Wien/London (pte) - Die Kaltwasserkorallen-Riffe brauchen besonderen Schutz. Das fordern Umweltgruppen wie Greenpeace www.greenpeace.at zum 5. Juni, dem Weltumwelttag. Die Umweltorganisation will vor allem ein Ende der Grundschleppnetz-Fischerei erwirken.
Vor dem Hintergrund des Schutzes der Kaltwasserkorallenbänke stehen die jüngsten Entdeckungen des deutschen Forschers Andre Freiwald: demnach sind die Korallen bis zu 800 Jahre alt und in kälteren und tieferen Gewässern heimisch als bisher angenommen.
Freiwalds Entdeckungen basieren auf zahlreichen Untersuchungen von Grönland bis zu den sub-antarktischen Gewässern. Das Team des Forschers von der Universität Nürnberg- Erlangen hatte außerdem in den Tiefseeregionen zahlreiche unbekannte Korallenarten gefunden. Darüber hinaus stießen die Wissenschaftler auf Organismen wie etwa Schnecken und Muscheln, die von Experten als bereits seit zwei Mio. Jahren ausgestorben galten. "Es waren wirkliche Überraschungen, die sich uns boten", so Freiwald. Der Forscher zeigte sich überzeugt, dass es weitere Überraschungen für die Wissenschaft geben werde.
Dass die Tiefsee in den kalten Gewässern um die Pole auch für die kommerzielle Fischerei von Bedeutung ist, stellt für die fragilen Ökosysteme eine ernst zunehmende Gefahr dar. UNEP-Generaldirektor Klaus Töpfer www.unep.org warnt vor dem Overkill der Korallenbänke. "Nicht nur in den Tropen, sondern auch in den Kaltwasserzonen sind Korallenbänke und Riffe besonders durch rücksichtloses Ausbeuten gefährdet". Die Kaltwasserspezies wachsen darüber hinaus wesentlich langsamer als ihre Artverwandten in den Tropen und Subtropen. "Wie dringlich die Situation der Weltmeere ist, wird an der Zerstörung der Tiefsee deutlich", argumentiert Greenpeace. Die Umweltschützer fordern ein sofortiges Verbot für den Einsatz von Grundschleppnetzen in der Hochseefischerei: "Tiefsee-Fischerei ist mit dem Kahlschlag eines Urwaldes gleichzusetzen. Ein Grundschleppnetz zerstört alles, was ihm in den Weg kommt", erklärt Antje Helms, Greenpeace-Meeresbiologin. Da zahlreiche Fischbestände vor dem Zusammenbruch stehen, durchkämmen die Hightech-Fangflotten nun die Tiefen der Weltmeere.
Die riesigen Fanggeschirre, so genannte Grundschleppnetze und Baumkurren, vernichten aber nicht nur sensible Fischbestände, sondern sie zerstören auch den Boden: Tonnenschwere Eisenrollen und Scherbretter werden über den Meeresboden gezogen, dazwischen hängen Eisenketten, durch die am Boden lebende Fische aufgescheucht und ins Fangnetz getrieben werden. Jedes Scherbrett wiegt bis zu zehn Tonnen und vernichtet alles auf seinem Weg (Foto). Greenpeace kritisiert dabei auch den Umstand, dass die riesigen Schleppnetze bis zu 600 Tonnen Fisch sowie riesige Mengen an Beifang liefern. Mittlerweile machen die Beifänge ein Vielfaches der tatsächlichen Netzfüllung aus. So werden beispielsweise pro Kilo Seezunge zehn Kilo Beifang mitgefischt.
Für den Schutz der Tiefsee hatten sich erst vor kurzem bei der Konferenz über Biologische Vielfalt (CBD) mehr als 1.000 Meeresforscher aus 69 Ländern ausgesprochen.